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Samstag, 25. November 2017

Einsätze 2002

119/2002 Katastrophenalarm

Einsatzdaten
Einsatzzeit16.08.2002 00:00 Uhr
EinsatzortSachsen-Anhalt
EinsatzartHilfeleistung
VollalarmVollalarm

Katastrophenhilfe für Sachsen-Anhalt:

Auch fünf Feuerwehrmänner der Freiwilligen Feuerwehr Sendling helfen in Dessau und im Kreis Bitterfeld

Ein Hilfeersuchen aus Sachsen-Anhalt erreicht am Freitag (16.8.) den Freistaat Bayern. Vom bayerischen Innenministerium beauftragt, koordiniert die Berufsfeuerwehr München den Einsatz von knapp 2000 bayerischen Feuerwehrleuten in Sachsen-Anhalt. In der Integrierten Leitstelle München wird ein Krisenstab einberufen und rund um die Uhr besetzt.

Gegen Mitternacht machen sich 70 Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehr München mit ihren Einsatzfahrzeugen auf den Weg nach Sachsen-Anhalt. Ihr Ziel: zuerst Magdeburg, noch auf der Fahrt umdirigieret nach Dessau. Informationen über die Art der benötigten Hilfe bzw. Ausrüstung sind zunächst schwer zu erhalten. Dessau wird am Samstagmorgen erreicht (17.8.).

Dessau im „Ausnahmezustand“

Bei Hochwasser liegt etwa die Hälfte der 80.000-Einwohner-Stadt Dessau tiefer als der Wasserspiegel der Elbe bzw. der Mulde, die bei Dessau in die Elbe mündet. Wichtigste Aufgabe von Feuerwehr, THW und Bundeswehr sowie mehrerer tausend (!) ziviler Helfer ist es, Sandsackwälle zu errichten und Deiche zu erhöhen bzw. zu verstärken. Selbst „im Hinterland“ werden zusätzliche, zweite Sandsackbarrieren errichtet.

Kritisch ist die Situation am Dessauer Klärwerk: Hier erreicht das Hochwasser die Deichoberkante. Wasser sickert durch den Deich. Parallel wird der Deich mit Sandsäcken erhöht, sowie rückseitig durch Sandsäcke verstärkt. An der Wasserseite bringen DLRG-Taucher Folien ein.

Ein ganzer Stadtteil „auf der Flucht

Nichts mehr ausrichten können am Sonntag die beiden eiligst in den Dessauer Vorort Waldersee beorderten Züge der Münchner Feuerwehr: Ein großer Dammbruch des „Schwedenwalls“ gefährdet Bewohner wie Helfer gleichermaßen. Geordnet und zügig wird Waldersee geräumt, rechtzeitig bevor Elbwasser den Stadtteil überflutet.

„Fachkabinett Textiltechnik als Schlafraum der Sendlinger Feuerwehr

Gemeinsam mit einem großen Kontingent bayerischer Feuerwehrleute ist der „Münchner Stützpunkt“ die Chapon-Schule in Dessau. Dort wird der Einsatz aller bayerischen Helfer koordiniert. Zwischen Nähmaschinen und Schultafel nächtigt das "Sendlinger Team" auf Isomatte und Schlafsack, sofern es die Einsatzsituation erlaubt. Beruhigend, immerhin im ersten Stock, obwohl die Schule nicht als hochwassergefährdet gilt.

Betroffenheit über die Situation im Kreis Bitterfeld

Am Montagnachmittag werden die Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr München in den Landkreis Bitterfeld verlegt. Stützpunkt wird die Schule in Roitzsch. In den Städten Raguhn und Jeßnitz wird am Dienstag und Mittwoch Hilfe geleistet. Hier war die Mulde mit unvorstellbarer Zerstörungskraft über ganze Siedlungen und weite Landstriche geflossen. Auch für erfahrene Helfer bedrückende Bilder: Durch Unterspülung beschädigte Straßen, Brücken und Gebäude. In vielen Straßenzügen liegt der gesamte unbrauchbar gewordene Hausrat in meterhohen Bergen auf der Straße. Vielerorts Heizölgeruch. Die große Zahl der Schadenstellen erfordert es, Schwerpunkte zu setzen und dort Pumparbeiten auszuführen. Wegen des noch sehr hohen Grundwasserstandes können viele Keller nicht ausgepumpt werden. Weitere Gebäudeschäden wären die Folge.

Die Rückkehr nach München erfolgt wohlbehalten in der Nacht zum Donnerstag, den 22.8. gegen Mitternacht.

Ein herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle an

  • die Arbeitgeber und die „besseren Hälften“ der Feuerwehrleute,
  • die zu Hause gebliebenen Feuerwehrangehörigen, die kurzfristig vor der Abfahrt das Einsatzfahrzeug in geeigneter Weise zusätzlich „aufrüsteten“, während die Besatzung ihre persönlichen Sachen packte und eine komplette Ablösemannschaft gestellt hätten, die dann aber nicht mehr benötigt wurde,
  • alle Einsatzkräfte (gleich welches Abzeichen sie tragen), mit denen die Sendlinger Feuerwehr hervorragend zusammenarbeiten durfte,
  • die Helfer, die sich in den Schulen um das leibliche Wohl und die Unterbringung der Feuerwehrleute kümmerten,
  • last not least, die unzähligen Privatpersonen, die vom Sandsackfüllen und -Transport (mit allen erdenklichen Fahrzeugen, die eine Ladefläche besitzen bzw. vor Ort per Hand) bis hin zur Verpflegung an den Einsatzstellen jede denkbare Unterstützung leisteten.
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