Mittwoch, 22. Februar 2017

1875

Am 26. Januar 1875 wurden die ersten Zeilen im Tagebuch eingetragen. 

Die Freiwillige Feuerwehr Sendling wurde vor sechs Jahren gegründet. Ihr Feuerhaus lag damals südlich der Alten Pfarrkirche St. Margaret und östlich unterhalb der heutigen Plinganserstraße.

Das herausragende überlieferte Brandereignis für die Feuerwehr Sendling in diesem Jahr war der große Brand in der Röckl´schen Kerzenfabrik in Thalkirchen.

Einträge des Jahres 1875:


06.05.1875: Sendlinger Feuerwehrmänner besuchen den Feuerwehrtag in Feldmoching

Selten beschreibt ein Tagebucheintrag ein Ereignis so detailliert wie den Bericht zum großen Feuerwehrtag in Feldmoching, bei dem sich am Donnerstag, dem 6. Mai 1875 insgesamt 328 Feuerwehrmänner aus 17 Feuerwehren trafen. Er ist darüber hinaus der einzige Bericht, der zusätzlich Lageskizzen enthält.

Etwas versteckt im Mittelteil des Textes wird ein Unfall während der Übung mit zwei verletzten Steigern erwähnt. Die gastgebende Freiwillige Feuerwehr Feldmoching besteht heute als Abteilung Feldmoching der Freiwilligen Feuerwehr München weiter.

Originalauszug aus dem Tagebuch:

Feuerwehrtag in Feldmoching.
Zusammenkunft der Mitglieder um 8 ½ Uhr bei Gastwirth Schwabelmayer
in Sendling; Abmarsch 9 ½ Uhr und Ankunft am Bahnhofe um 10 Uhr. Ankunft
des Bahnzuges in Feldmoching um 10 ½ Uhr; Empfang der angekommenen
Feuerwehren durch die Steiger- & Spritzenmannschaftssection mit Fahne
der freiwilligen Feuerwehr Feldmoching, darnach gemeinschaftlicher
Abmarsch aller angekommener Feuerwehren nach dem Orte.
Vor der Kirche in der Hauptstraße waren bereits mehrere Feuer-
wehrvereine anwesend.
An den beiden Hauptübungen waren betheiligt die freiwillige
Feuerwehr Feldmoching, Oberschleißheim und Freimann.
I. Erste Hauptübung vor der Kirche und dem Pfarrhause im Freien:

Spritze und Leiter No. 1: Oberschleißheim.
   “     “    “     “  2: Feldmoching.
   “     “    “     “  3: Freimann.
Bei dieser Übung stürzte Leiter No. 1 in Folge Brechens einer Spreizstange
und mußten beide auf derselben befindlichen Steiger vom Platze getragen
werden.
II. Zweite Hauptübung: Angriff auf das Kaiser’sche Wirthsanwesen:

Nach den Übungen Versammlungen im Kaiser’schen Wirthshause.
Berathungen über die Feuerwehr, resp. Steigerausrüstung betreffs der
Leine zum Selbstretten. Berathungen und Vorträge über die Inspizirung
von Pflichtfeuerwehren, Bezug von Reisevergütungen betreffend, beides
nicht angenommen. Sonstige Berathungen über die Schritte gegen die
kgl. Regierung.
Im Ganzen waren anwesend:
    Berg 1 Mann,
    Feldafing 9 Mann,
    Feldmoching 60 Mann,
    Forstenried 19 Mann,
    Freimann 30 Mann,
    Garching 20 Mann,
    Neuhausen 25 Mann,
    Nymphenburg 20 Mann,
    Oberalting 1 Mann,
    Oberschleissheim 65 Mann,
    Pasing 5 Mann,
    Planegg 10 Mann,
    Pullach 1 Mann,
    Schwabing 9 Mann,
    Thalkirchen 9 Mann,
    Unterschleissheim 22 Mann,
    Untersendling 22 Mann.
Der ganze Verband zählt 44 Feuerwehren mit 2410 Mitgliedern
der Ausschuß des Verbandes blieb bestehen.
Schluß der Versammlung gegen 3 Uhr Nachmittags
Abmarsch auf die Bahn um 3 ½ Uhr. Abgang des Zuges 4 Uhr.

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11.07.1875: Die Feuerwehr Sendling macht einen Ausflug nach Pullach

Ausflüge in die umliegenden Ortschaften waren damals bei der Feuerwehr Sendling recht beliebt und wurden öfters durchgeführt. Am Sonntag dem 11. Juli 1875 ging es nach Pullach im Isartal, sieben Kilometer südlich von Sendling. Musik gehörte während der Fahrt genauso dazu wie das Verköstigen von Bier vor Ort.

In diesem Fall hatte der Alkohol bei einigen allerdings eine unschöne Wirkung.

Originalauszug aus dem Tagebuch:

Ausflug nach Pullach.
Abfahrt Mittags 12½ Uhr vom Gasthause Hierl, auf 4 Wägen, welche
von Herrn Kaffler Simon, Obermayer Joseph, Myrt & Lechner Andreas
gegeben wurden, wobei ein vom Herrn Commandanten arran-
girte und bezahlte Musik bis über Grafeneich hinaus spielte.
Vor Pullach wurde abgestiegen und in Reih und Glied ein-
marschirt; im Gasthause wurden für das bereits eingezahlte
Geld 2 Faß Bier zu 72 & 51 Liter aufgelegt und an die Feuerwehr-
männer verzapft, wobei es ziemlich lustig herunter ging.
Nachdem an Belustigungen mit Ausnahme mehrerer schöner
Musik und einigen Toasten nichts vorgenommen, wurde
die Abfahrt auf 6 Uhr anberaumt; kurz vor der Abfahrt kam
es leider zu einigen kleinen Thätlichkeiten unter den Feuer-
wehrmännern, welche sich auf einige Civilisten vertheilten und
wurde, nachdem das Bier bei Manchen seine Wirkung regte,
auf das gutgemeinte Vorgehen der Chargirten und Vorgesetzten
kein Gehör gegeben und ging so dann meist unverrichteter Sache
die Abfahrt, welche bis Neuhofen bestimmt war und die Mitglieder
sich dort trennten, vor sich.
Betheiligt war fast die ganze freiwillige Feuerwehr mit einigen
Ausnahmen, welche durch unvorhergesehene Abhaltungen her-
stammten.

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